Himalaya 2014

Am 19. August 2014 brachen Sebastian Haag und ich für eine erneute Ski-Expedition in den Himalaya auf. Diesmal war nicht nur ein 8000er geplant, sondern gleich zwei. Die beiden Gipfel Shisha Pangma (8013 m) und Cho Oyu (8201 m) sollten innerhalb von nur sieben Tagen im Speed-Stil mit Ski bestiegen werden. Zudem sollte die Strecke zwischen den Basecamps der Gipfel ausschließlich „by fair means“ – mit dem Mountainbike oder in Laufschuhen – zurückgelegt werden. Eine Aktion in durchgehend großer Höhe und ohne künstlichen Sauerstoff.
Die Idee, zwei Achttausender hintereinander zu besteigen, ist nicht so verrückt, wie sie vielleicht klingt. Das haben andere schon getan, und es ergibt sogar Sinn. Erst einmal an die Höhe gewöhnt, ist der Kraftakt, einen zweiten Achttausender in Angriff zu nehmen, wesentlich geringer.
Aber so weit sollte es nicht kommen.
Bei einem Lawinenabgang am 24. September 2014 kamen Sebastian Haag und Andrea Zambaldi ums Leben. Mit ihnen ist auch ein Teil von mir gestorben.
…
Ich gehe oft in die Berge. Auf vielen Gipfeln, die Basti und ich einst gemeinsam bestiegen haben, stehe ich nun alleine. Es ist meine Art, ihn um mich zu haben, um ihn zu trauern, mich an ihn und unsere gemeinsame Zeit in tiefer Dankbarkeit zu erinnern.
Auszug Buch: Summit Codes
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Vor der Besteigung hatten wir besprochen, ob wir unsere Speedbegehung wie üblich am Basecamp oder am Lager 2 starten sollten. Basti wollte am Lager 2 starten und ich habe ihn darin bestärkt. Ich wusste, dass er – anders als ich – in der Höhe gut regenerieren konnte. Aufgrund einer Erkältung und seiner Erfahrungen am Broad Peak und am Manaslu schätzte er seine Chancen höher ein, wenn er die Besteigung aufteilte. Ich wollte weiterhin vom Basecamp starten, da mich Nächte in großer Höhe stark schwächen. Wir hatten es in der Vergangenheit oft so gehandhabt, dass wir von unten starteten und Freunde in oberen Lagern abholten, um dann gemeinsam weiterzugehen.
Bei dieser Besteigung hatten sich Martin und Andrea entschieden, den Gipfelversuch von Lager 3 aus anzugehen. Basti irritierte meine Entscheidung, ihn nicht gleich auf Lager 2 zu begleiten und er äußerte die Sorge, es könne als Schwäche interpretiert werden, nicht vom Basecamp zu starten. Hinzu kam, dass Ueli Steck sich entschieden hatte, mit mir von unten loszugehen, was bei Basti das Gefühl verstärkte, zurückgesetzt zu sein. In dieser Gefühlslage gab er im Effekt ein emotionales Interview. Dieses Interview wurde später aus dem Zusammenhang gelöst veröffentlicht und als Zeichen mangelnder Loyalität meinerseits ausgelegt.
Basti und ich waren seit unserem elften Lebensjahr befreundet. Wir haben alles miteinander geteilt und uns weit über die Berge hinaus bis auf den Grund unserer Seele kennengelernt. Zu unserer Freundschaft gehörte auch, dass wir unterschiedliche Sichtweisen gerade in angespannten Situationen wie dieser auch mal emotional austragen konnten. Ich habe ihm versichert, dass es überhaupt keine Rolle spielte, wer an welchem Lager startet und wir in jedem Fall gemeinsam als Team unterwegs waren. Für mich war es ein Zeichen von Stärke und wichtiger Weiterentwicklung, dass Basti seinen eigenen, für ihn besseren Weg über Lager 2 gewählt hatte. Als Ueli und ich ihn am Tag der Gipfelbesteigung im Lager 2 abholten, haben Basti und ich uns fest umarmt und uns gegenseitig versichert, dass die Sache gegessen war und nichts zwischen uns stand. Für mich war dieses Ereignis ein gewöhnlicher Ausschlag in einer über 25 Jahre gewachsenen Freundschaft und normalerweise nicht der Rede wert. Umso mehr hat es mich getroffen, dass im Nachhinein ein Bild vermittelt wird, das unserer Freundschaft und gegenseitiger Zuneigung nicht gerecht wird.
Auch ein Funkspruch von mir unmittelbar nach dem Unglück wurde später missverständlich dargestellt. Darin bat ich, keine Medien zu informieren. Dieser Hinweis diente ausschließlich dem Schutz der Angehörigen. Wir haben beim großen Unglück am Manaslu 2012 selbst erlebt, wie belastend es ist, wenn Familien zuerst über Medien von solchen Ereignissen erfahren – oft unvollständig und damit in grauenhafter Ungewissheit darüber, ob ihren Liebsten etwas passiert ist. Mir war es ein großes Anliegen, die Angehörigen persönlich und verlässlich zu informieren, was ich auch getan habe. Dieser Gedanke war die einzige Motivation hinter dieser Aussage.
Während des Aufstiegs machten uns sehr herausfordernde Bedingungen zu schaffen. Wir kämpften die ganze Nacht mit den Schneeverhältnissen, bis wir bei Sonnenaufgang dann auf dem Gipfelkamm waren und vor uns den Gipfel sahen. Wir waren gedanklich schon auf dem Gipfel, denn es war nicht mehr weit. Das Schwerste lag hinter uns. Und dann, wie aus dem Nichts, riss es Basti und Andrea aus dem Leben. Eine Lawine zog Basti und Andrea 600 Meter in die Tiefe und in den Tod. Martin wurde ebenfalls mitgerissen, überlebte den Absturz jedoch und konnte sich selbst retten. Ueli und ich haben nur durch Glück überlebt. Dieser Tag hat mein ganzes Leben verändert. Er bleibt eingebrannt als eine große Wunde mit einer Narbe, die nie verheilen wird. Basti war einer der Menschen, die mich tief geprägt haben. Er hatte eine unglaublich mitreißende Art, war ein kraftvoller Macher und zugleich eine sehr gute Seele. Ich habe mit ihm die intensivste Zeit meines Lebens geteilt. Mit ihm ist auch ein Teil von mir gestorben und es ist seither kein Tag ohne einen Gedanken an ihn vergangen.
Es war für mich ein Einschnitt ohnegleichen, auf den ich, auch wenn ich noch so viel erlebt hatte, nicht vorbereitet war. Es war die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich kann heute nachvollziehen, dass Menschen nach Erfahrungen wie meiner am Shishapangma irgendwann keinen Ausweg mehr sehen. Wenn man es nicht schafft, das Geschehene nicht ständig wieder und wieder aufzuwühlen, und sich dauernd fragt: »Hätte ich das tun sollen? Hätte ich nicht jenes lassen sollen? Was wäre gewesen, wenn …?« Diese Selbstvorwürfe und das endlose Grübeln können einen innerlich vollständig zermürben. Auch mir ging es so. Aber irgendwann habe ich mich bewusst entschieden, mein Leben wieder aufzunehmen und mich aus der Dauerschleife meiner selbstzerstörerischen Gedanken zu befreien. Voller Emotionen anzuerkennen, dass das Unglück passiert ist, dass nichts Basti und Andrea zurückbringen und das Unglück ungeschehen machen würde. Ich musste wieder die Kontrolle über meine Gedanken und mein Leben erlangen, um weitermachen zu können. Neben der bewussten Entscheidung, dass das Leben weitergeht, habe ich mich in dieser Zeit sehr stark auf meine Familie, meine Geschwister sowie auf meine Basis konzentriert und ansonsten zurückgezogen.
Das war eine harte Zeit. Eine enorme zusätzliche Belastung waren die Vorwürfe und Anschuldigungen von außen, mit denen ich mich konfrontiert sah. Ich musste lernen, Kritik auszuhalten und anzunehmen, ohne mich in Konfrontationen zu verlieren – dafür hatte ich keine Kraft und wäre innerlich daran zerbrochen. Nach dem Unfall war ich nicht im klassischen Sinne handlungsfähig. Ich funktionierte im Autopilotmodus – aber ich war in gewisser Weise nicht bei Sinnen.
Rückblickend weiß ich, dass ich schwer traumatisiert war und Hilfe gebraucht hätte. Nicht nur, um das Erlebte zu verarbeiten und Entscheidungen abzugeben, sondern um mich vor mir selbst zu schützen: vor vorschnellen Interviews unter dem Eindruck einer beeinträchtigten Wahrnehmung, die dem Schockzustand sowie der extremen körperlichen und psychischen Belastung und dem massiven Sauerstoffmangel in der Todeszone geschuldet war. Vor dem Impuls, alles erklären zu wollen, während ich selbst noch im Ausnahmezustand war. In diesem Moment hätte ich jemanden gebraucht, der zwischen mir und der Öffentlichkeit steht, der filtert, schützt und reguliert. Der Schock ist eine biologische Notfallreaktion. Während einer traumatischen Situation ist die Gedächtnisbildung häufig eingeschränkt und fragmentiert; Erinnerungen werden nicht vollständig gespeichert, sondern später rekonstruiert, was zu Unschärfen, unterschiedlichen Wahrnehmungen und Verzerrungen führen kann. Nach einem traumatischen Ereignis schaltet der Körper in den Überlebensmodus: die Wahrnehmung verengt sich, das Zeitgefühl verzerrt sich, Emotionen können abgestumpft oder überwältigend sein. Entscheidungen, Worte und Einschätzungen sind in diesem Stadium oft nicht belastbar1.
Gerade deshalb ist er so gefährlich im Umgang mit Öffentlichkeit, Erwartungen und Druck von außen. Auch der journalistische Ehrenkodex besagt, dass Menschen im Schockzustand als besonders schutzbedürftig gelten und fordert Zurückhaltung, Abstand und Respekt – Schutz vor Öffentlichkeit geht vor Geschwindigkeit und Sensation2. Bei mir dauerte dieser durch das Trauma geprägte Zustand, in dem ich zwar funktionierte, innerlich aber nicht wirklich bei mir war, mehrere Monate. In dieser Zeit habe ich sehr sensible Journalisten erlebt und die meisten haben sich respektvoll zurückgehalten. Gleichzeitig habe ich aber auch welche erlebt, die Aussagen einforderten und um jeden Preis eine Geschichte haben wollten. Diese ethisch fragwürdige Interviewpraxis wird auch »Witwen-Bashing« genannt. »Witwen-Bashing« bezeichnet im Journalismus eine als unsensibel oder übergriffig empfundene Praxis, bei der Hinterbliebene nach einem Todesfall aggressiv befragt, emotional exponiert oder für mediale Dramatisierung instrumentalisiert werden, um Aufmerksamkeit und Reichweite zu steigern.3 Mit meinem heutigen Wissen über Trauma, Erinnerungsbildung in Extremsituationen und posttraumatischen Stress weiß ich, dass ich diese Forderungen hätte zurückweisen müssen.
Dass ich mich dennoch zu Interviews habe bewegen lassen, bedaure ich sehr, denn die in diesem traumatisierten Schockzustand getroffenen Aussagen haben im Nachgang zu Irritationen geführt und Menschen verletzt – was mir sehr leid tut. In meiner verzerrten Wahrnehmung hatte ich in anfänglichen Interviews gesagt, dass Basti vorausgegangen war, obwohl man auf den Bildern sieht, dass ich zum Zeitpunkt des Unglücks vorne war. Es war nie meine Intention, Abläufe fehlerhaft wiederzugeben oder gar eine Schuldzuweisung zu suggerieren. Jeder von uns oder etwas ganz anderes konnte Auslöser der Lawine gewesen sein und eine Schuldfrage stellt sich bei solchen Extremunternehmungen, wo jeder auf sein eigenes Risiko steigt, grundsätzlich nicht. Auch wenn es irrelevant ist, wer vorausgegangen ist, klammerte ich mich unmittelbar nach dem Unglück im Zustand absoluten Kontrollverlustes an meine Wahrnehmung, war sie doch das einzige, woran ich mich festhalten konnte. Ich habe stark an mir gezweifelt, warum mich meine Wahrnehmung so getäuscht hat. Um dem auf den Grund zu gehen, beschäftigte ich mich mit anderen Unglücken und Ereignissen in höchsten Höhen. Zum Beispiel mit dem großen Mount Everest Unglück 1996. Über den Unfallhergang existieren zahlreiche, in wesentlichen Punkten voneinander abweichende Augenzeugenberichte4. Ähnliche Wahrnehmungsdifferenzen zeigen sich auch bei dem Unglück am K2 20085 sowie dem sogenannten »Tenerife airport disaster«6, bei denen Beteiligte zentrale Abläufe und Entscheidungen unterschiedlich rekonstruieren.
Dies wird in der Wissenschaft als Rashomon-Effekt bezeichnet7. Auch Reinhold Messner war beispielsweise lange überzeugt, er habe den Yeti gesehen8. Die abweichenden und teils falschen Wahrnehmungen vor allem durch Sauerstoffmangel (Hypoxie), extreme Erschöpfung und Stress, was Wahrnehmung, Urteilsfähigkeit und Gedächtnis nachweislich beeinträchtigen. Es dauerte sehr lange, bis ich anfing, mir selbst zu vergeben. Zu akzeptieren, dass ich verletzlich, verzweifelt, ängstlich, zutiefst verunsichert, schwach und hilflos war und Fehler gemacht hatte.
Ich hatte nicht auf alle Fragen eine Antwort. Antworten auf Fragen, auf die es oft keine Antworten gab, so sehr auch ich mir eine Erklärung gewünscht hätte. Ich war im Umgang mit dieser Extremsituation und dem plötzlichen Tod zweier Freunde völlig überfordert. Es dauerte über 10 Jahre, bis ich bereit war, mich mit meinem Trauma auseinanderzusetzen, Versöhnung in und aus mir zu suchen und diese Zeilen hier schreiben zu können.
Viele Jahre lang konnte ich nicht darüber sprechen, dass wir auf dem Lawinenkegel noch eine Person mit Lebenszeichen gesehen haben – auch wenn das öffentlich bekannt war. Die Bilder davon, verbunden mit der in stundenlangem, verzweifeltem Ringen getroffenen Entscheidung, aufgrund der Lawinengefahr nicht zur Unfallstelle zu gehen, haben mich innerlich tief zerrissen. Ich konnte das Erlebte einfach nicht in Worte fassen, obwohl sich bereits einen Tag nach dem Unglück herausstellte, dass er glücklicherweise überlebt hatte.
Martin war viele Stunden nach dem Unglück trotz eines schweren Schädel-Hirn-Traumas wieder zu Bewusstsein gelangt und hatte es aus eigener Kraft zurück ins Leben geschafft. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass Martin überlebt hat. Die Bedingungen eines Unglücks in der Todeszone sind mit nichts vergleichbar. Niemand kann einen Unfall in diesen Höhen bewerten oder beurteilen. Nur die Beteiligten können versuchen, ihren Frieden mit diesem kollektiven Trauma zu machen. Resilienz bedeutet nicht, alles allein auszuhalten. Sie zeigt sich auch darin, rechtzeitig Unterstützung zuzulassen. Wenn ich jemals wieder – ganz gleich ob privat oder beruflich – in eine traumatische oder schwer belastende Situation geraten sollte, würde ich sofort professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Aus Verantwortung allen Beteiligten und mir selbst gegenüber.
Gleichzeitig habe ich gelernt, mein Umfeld bewusster auszuwählen. Früher habe ich mich manchmal von Menschen blenden lassen. Heute pflege ich nur noch Freundschaften mit Menschen, die das Herz am richtigen Fleck haben – echte Seilpartner fürs Leben, nicht für oberflächliche Situationen. Diese bewusste Auswahl hat mir sehr geholfen, die seelischen Narben bestmöglich zu heilen. Ein weiterer wichtiger Rettungsanker war, einem gewohnten Alltag nachzugehen, um Stabilität zu finden. Ich habe keinen einzigen Tag nach dem Unfall aufgehört zu arbeiten. Das gab mir Halt, zeigte mir, dass die Welt sich weiterdreht. Rückblickend sehe ich es kritisch, dass ich mir keine Pause genommen habe, um mein Trauma zu verarbeiten und mich bewusst damit auseinanderzusetzen. Mein Fokus lag nur darauf, nach vorn zu schauen.
Heute erkenne ich, wie sehr ich dabei unbewusst das Verhalten meines Vaters im Umgang mit seinen eigenen Traumata übernommen habe. Mein Vater, Jahrgang 1926, wurde als Russlanddeutscher in der Nähe von Odessa geboren. In den Wirren des Krieges musste er als 14-Jähriger die Gefangennahme und die Ermordung seines Vaters aus nächster Nähe mit ansehen und verlor kurz darauf auch seine Heimat durch die Flucht von Odessa nach Deutschland. Er konnte zeitlebens nicht über diese Zeit sprechen. Selbst über 70 Jahre später versagte ihm die Stimme und Tränen stiegen ihm in die Augen, sobald Erinnerungen daran aufkamen. Ich habe erlebt, wie sehr er das Geschehene verdrängte, in ständigem Tätigsein zum Schweigen brachte und nie wirklich aufarbeitete – und wie prägend dieses Muster auch für mich wurde.
In der Zeit nach dem Unfall halfen mir meine Kinder und meine Frau dabei, zu erkennen, dass es noch andere wichtige Dinge gibt. In diesen Momenten, und das gilt bis heute, habe ich paradoxerweise auch enorme Stabilität in den Bergen gefunden. Sie sind ein fester Pol in meinem Leben, der immer da ist und mir Kraft gibt. Ich bin in dieser Zeit wie immer sehr regelmäßig in die Berge gegangen, habe reflektiert und Antworten in Bewegung, Anstrengung und in dieser, meiner, Form von Meditation gefunden.
Quellen
- Vgl. ICD-10, F43.0 »Akute Belastungsreaktion«; Online-Zusammenfassung unter therapie.de, Abschnitt F43.0. und vgl. Brewin & Field, 2024; Daniel L. Schacter, 2012. https://www.therapie.de/psyche/info/index/icd-10-diagnose/f4-neurotischestoerungen/f43-reaktionen-auf-schwere-belastungen-und-anpassungsstoerungen/ ↩
- Vgl. Deutscher Presserat, Pressekodex – Richtlinien für die publizistische Arbeit nach den Empfehlungen des Deutschen Presserats, Stand 2024, Ziff. 8 und Richtlinie 8.2 (Opferschutz), sowie Richtlinie 4.2 (Recherche in seelischen Extremsituationen), S. 8 sowie S. 11 f., abrufbar unter: https://www.presserat.de/pressekodex.html ↩
- Vgl. Claudia Mast: Medien und Kommunikation in der Wissensgesellschaft, 2. Aufl., Konstanz: UVK 2018, S. 214 f.; sowie Klaus Meier: Journalistik, 4. Aufl., Konstanz: UVK 2018, S. 169–171. – Der Ausdruck »Witwen-Bashing« selbst ist kein definierter Fachterminus, sondern eine medienkritische Zuspitzung für ethisch problematische Formen der Angehörigenbefragung (vgl. Deutscher Presserat, Pressekodex, Richtlinie 8.2 »Opfer und Angehörige«). ↩
- Mount Everest Disaster 1996 – Vgl. Jon Krakauer: Into Thin Air. New York 1997; sowie Anatoli Boukreev / G. Weston DeWalt: The Climb. New York 1997. ↩
- K2 disaster 2008 – Vgl. Graham Bowley: No Way Down. New York 2010. ↩
- Tenerife airport disaster – Vgl. Spanish Ministry of Transport: Unfallbericht 1978; sowie National Transportation Safety Board: Human Factors Reports zu Crew Resource Management. ↩
- Karl G. Heider (1988): The Rashomon effect: When ethnographers disagree. In: American Anthropologist, 90(1), S. 73–81. ↩
- Reinhold Messner – Vgl. My Quest for the Yeti (dt. Ausgaben später), in dem Messner seine Sichtung als Fehlinterpretation (wahrscheinlich Bär) einordnet. ↩
Auszug aus: Benedikt Böhm / Stefan Gröschl, »Summit Codes«. Zum Buch
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Was war das Ziel der Himalaya-Expedition 2014?
Das Ziel der Double 8 Expedition 2014 war es, zwei Achttausender innerhalb kurzer Zeit im Speed-Stil mit Ski zu besteigen. Geplant war den Shishapangma und den Cho Oyu (8188 Meter) innerhalb von nur sieben Tagen zu besteigen und die 170 Kilometer zwischen beiden Bergen per Mountainbike zurücklegen.
Was bedeutet „by fair means“ bei einer Expedition im Himalaya?
„By fair means“ beschreibt einen Ansatz, bei dem eine Expedition ab dem Basecamp aus eigener Kraft durchgeführt wird. Es bedeutet, bei Besteigungen der höchsten Berge der Welt vollständig auf künstlichen Sauerstoff sowie auf die Unterstützung durch Sherpas und Hochträger zu verzichten und den Auf- und Abstieg aus eigener Kraft und ohne leistungssteigernde Mittel zu bewältigen.
Warum sind Expeditionen auf Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff besonders anspruchsvoll?
Expeditionen ohne künstlichen Sauerstoff erfordern eine sehr gute Akklimatisation, hohe Ausdauer und eine präzise Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit. Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck – und damit der Sauerstoff-Partialdruck – deutlich, wodurch dem Körper weniger verwertbarer Sauerstoff zur Verfügung steht. Ab etwa 3.000 Metern beginnen bereits messbare Leistungseinbußen. Oberhalb von rund 5.500 Metern ist ein dauerhafter Aufenthalt für den Menschen nicht mehr möglich. In etwa 5.000 Metern Höhe steht dem Körper nur noch rund die Hälfte des Sauerstoffs im Vergleich zum Meeresspiegel zur Verfügung, was die Leistungsfähigkeit entsprechend reduziert.
Ab etwa 7.500 bis 8.000 Metern – der sogenannten „Todeszone“ – stehen nur noch rund ein Drittel des Sauerstoffs zur Verfügung. Eine dauerhafte Anpassung ist dort nicht mehr möglich; der Körper baut kontinuierlich ab, selbst in Ruhe.
Dadurch wird jede Bewegung überproportional anstrengender und die Entscheidungsfähigkeit kann eingeschränkt sein. Umso wichtiger sind sorgfältige Vorbereitung, die Wahl des richtigen Wetterfensters, eine realistische Risikoeinschätzung, klare Teamabstimmung sowie konsequente Entscheidungen über Aufstieg oder Umkehr.
Weitere Expeditionen
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Spantik Speed Project (7.027 m, Karakorum) – Speed-Skiexpedition mit Skiabfahrt vom Gipfel
Hochgebirge sind kein beliebtes Ziel für Skiexpeditionen. Nur wenige Menschen praktizieren diese Unterdisziplin des Skifahrens, und ihre Aufmerksamkeit richtet sich meist auf die Achttausender.
18. November 2024 -
Cho Oyu (8.188 m) – Gipfel in 12 h 35 min, ohne Flaschensauerstoff
Benedikt Böhm und Prakash Sherpa erreichen Gipfel in 12 Stunden und 35 Minuten – Kein Flaschensauerstoff, keine Höhenlager, dafür in einem Push vom Base Camp auf den Gipfel und wieder zurück.
14. September 2023 -
Durch den Dschungel auf den Himlung Himal (7.126 m)
Speed-Bergsteiger und DYNAFIT Geschäftsführer Benedikt „Bene“ Böhm hat den Dhaulagiri VII in Nepal am 15. Oktober in einer neuen Rekordzeit bestiegen. Vom Base Camp auf 4.903 m bis zum Gipfel auf 7.246 m und wieder zurück benötigte er insgesamt 7 Stunden und 53 Minuten. Seine Speed-Besteigung stellte der dreifache Familienvater in den Dienst der Aktion „United for Himalayan Kids“.
28. September 2022 -
Im Blindflug von der Arche Noah auf den Mount Ararat (5137 m)
16. September 2022
